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Spiel und Lernen gehen Hand in Hand

10.06.2021

Spielen ist für Kinder selbstverständlich. Praktisch jedes Kind auf der Welt spielt. Es ist ein intensiver Drang, dem Kinder auch ohne Spielzeug und auch ohne Aufforderung nachgeben. Kinder machen es einfach. Dabei fördert Spielen die Entwicklung des Kindes in sozialen, kognitiven, physischen und emotionalen Bereichen. Nach der UN- Kinderrechtskonvention (Artikel 31, Absatz 1) haben Kinder ein Recht auf Spiel. Das ist ein biologisch angelegtes Grundbedürfnis und bedarf keiner Rechtfertigung, indem man darauf hinweist, dass es Kompetenzen stärkt.

Was ist Spielen?

Ums es klar zu sagen: es gibt keine allgemeingültige Definition für Spiel. Allerdings haben wir eine Vorstellung von Spiel und wissen, dass es zu unserem Verhaltensrepertoire dazu gehört.

Im Kommentar zum Artikel 31 wird Kinderspiel so beschrieben:

  • jedes Verhalten, jede Aktivität oder jeder Prozess, der von Kindern selbst angestoßen, kontrolliert und strukturiert wird.
  • Betreuungspersonen können zum Spiel beitragen, in dem sie Umgebungen zur Verfügung stellen, an denen Spiel stattfinde.
  • Spiel kann nicht angeordnet werden. Es entstehe aus intrinsischer Motivation und finde seinen Zweck in sich selbst. Es ist also wesentlich, dass Kinder Spiel es aus freien Stücken tun.

Das heisst ja dann wohl, dass das ungeregelte Bolzen zum Kinderspiel gehört, nicht jedoch das Fußballtraining im Verein. Andererseits umfasst dies auch alles was freiwillig stattfindet, sei es Lesen, Computerspielen, Mithilfe im Haushalt, Backen, Reparieren, Blumen gießen usw. Vor allem aber zählt das Spielen draußen dazu, allein oder mit anderen Kindern.

Wird Spielzeit zum Luxus?

Als ich Kind war, war es “normal”, vor der Tür zu spielten. Wir sind um die Häuser gezogen, haben uns auf dem Schulhof getroffen und was wir spielten, hat sich einfach ergeben. Wer da war, war eben da oder man ist zu den Freunden nach Hause gegangen, hat an der Tür geklingelt und einfach gefragt, ob der Marco oder die Katrin “runterkommen” darf. Die Rolle der Eltern bestand hauptsächlich darin, die Grenzen festzulegen sowohl, wo man sich ungefähr aufhalten durfte und bis wann.

Heutzutage scheint dieses Spielen etwas in Verruf geraten zu sein. Eltern wissen gerne wo ihre Kinder sind, möchten am liebsten in der Nähe sein. Eltern möchten auch gerne den Umgang kennen oder sogar beeinflussen. Vor allem aber möchten Eltern, dass die Kinder während des Spielens etwas Lernen. Spielen einfach so wird häufig als sinnlose Zeitverschwendung betrachtet.

Deshalb (ver)planen Eltern die Freizeit ihrer Kinder mit Nachhilfe, organisiertem Sport und Musikunterricht. Schon im Kindergarten wird eine neue Sprache gelernt oder mit “pädagogisch wertvollem” Spielzeug gespielt.

Das alles hat nichts mit dem Kinderspiel zu tun, dass in der UN- Kinderrechtskonvention beschrieben ist. Es scheint, dass Kindheit nicht mehr viel Zeit für freies Spiel hat. Spiel scheint ein unbezahlbarer Luxus zu werden.



Spielen Kinder mehr oder weniger als früher?

Ich behaupte spontan, sie spielen anders. Wenn ich die Kinder so höre und beobachte, dann sind sie einfach weniger draußen. Sie spielen alleine oder miteinander, aber dann ist häufig ein Bildschirm dazwischen.

Nun gibt es dazu Untersuchungen, die tatsächlich zeigen, dass Kinder weniger Zeit mit Spielen verbringen, dafür mehr in der Schule, bei Freizeitaktivitäten und mit Aufgaben im Haushalt.

Eine britische Studie zeigte, dass Kinder im Durchschnitt etwas mehr als vier Stunden pro Woche draußen spielen – die Hälfte der Elterngeneration. Manche Kinder, nämlich 33 % der Kinder spielen nach der Schule überhaupt nicht draußen, verglichen mit 20 % ihrer Eltern.

Der Spagat zwischen Lernen und Spielen

Es scheint mir, als ob unsere Gesellschaft nur noch in Superlativen denkt und lebt: schneller, besser, weiter. Ich habe schon oft Eltern zugehört, die sehr darauf bedacht waren, ihren Kindern viel zu ermöglichen, sie für den späteren Erfolg vorzubereiten, ihnen das mitzugeben, was man schon mitgeben kann. Es scheint mir oft ein Wettlauf um Kompetenzen zu sein.

Kinder spielen Indianer und beobachten in geduckter HaltungMann auf Sofa

Spiel doch mal wieder

Karten-, Brett-, Würfelspiele, Rollenspiele, Sport-, Sing- und Tanzspiele, Koordinations-, Bewegungs-, Kim- und Geschicklichkeitsspiele, Sprachspiele usw. oder schau was dir in den Kopf kommt

Aus beruflichen Gründen beschäftige ich mich mit dem Gehirn und wie Wissen ins Gehirn kommt. Ich weiß, dass es sinnvoll ist, Kinder und Jugendliche mit vielen verschiedenen Dingen in Kontakt zu bringen, um viele neuronale Verbindungen herzustellen.

Das liegt daran, dass der Mensch bei der Geburt bereits die Anzahl an Nervenzellen besitzt, die er auch als Erwachsene hat. Allerdings werden die Synapsen, sozusagen die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, nach und nach beseitigt, wenn sie nicht mehr “bedient” werden.

Auch mir fällt es manchmal schwer, Lernen und Spielen nicht miteinander zu verknüpfen. Ist doch prima, wenn sich mein Kind beim Memory gleich die englischen Vokabeln einprägt. Doch geht lernen im Sinne von Verstehen doch viel einfacher: nämlich durch Machen, sich und die Dinge ausprobieren.

Was passiert beim Spielen?

Ich möchte anhand eines Beispiels zeigen, wie Kinder beim Spielen lernen. ein gruppe Kinder “macht ein Restaurant auf”.

Was wird gebraucht? Ein Schild mit dem Namen des Restaurants, die Ausstattung wie Tisch und Stühle, eine Küche mit allem drum und dran, eine Speiskarte.

Wer wird gebraucht? Gäste, ein Koch, eine Bedienung.

Was passiert? Kochen, bestellen, essen, sich benehmen, abrechnen, aufräumen.

Bei diesem kreativen Spiel werden unter anderem die kognitiven Fähigkeiten (z.B. das Bezahlen) trainiert. Körperlich verbessern sich die Kinder durch das “Herstellen” und schieben und Stapeln von Tischen, Stühlen und Tellern.

Sie lernen neue Worte und fördern beim Schreiben der Speisekarte unbewusst ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten und trainieren dabei gleichzeitig ihre Feinmotorik.

Sie zeigen ihr soziales Verhalten beim Entwickeln des Spiels und bei der Durchführung: Wie benimmt man sich im Restaurant oder wie spricht man miteinander?

Auch wenn es beim Spielen natürlich zu Konflikten kommt, lernen die Kinder dadurch ihre eigenen Gefühle und die der anderen kennen. Sie werden einen Weg finden, damit umzugehen und daran selbst zu wachsen, wenn man sie lässt oder nur Unterstützung anbietet. Spielen ist für Kinder außerdem ein Ventil für Angst und Stress.

Was können Eltern tun, damit Spielen tatsächlich Spielen ist?

Plane Zeit zum Spielen ein!
Verplane also nicht die Zeit der Kinder, sondern plane nicht!

Oft kommt dann das Kind mit dieser Aussage (vor allem, wenn es kein Fernsehen oder digitale Medien zur Unterhaltung gibt):

Mir ist langweilig! Also ich höre das ziemlich oft und bin dann gewissermaßen enttäuscht, dass sich meine Tochter nicht selbst beschäftigen kann. Das ist natürlich Quatsch, denn das kann sie.

Ich muss nur eine meiner Standardantworten bringen: Dann räum doch mal dein Zimmer auf oder dann hilf mir doch dabei die Wäsche aufzuhängen (oder was es dann gerade ist, dass im Haushalt getan werden muss). Prompt findet sie etwas zur Beschäftigung. Es wirkt Wunder.

Erwarte nicht, dass deine Kinder sofort ins Spielen verfallen. Gib ihnen Zeit, ein Spiel zu entwickeln oder aus (d)einer Ideen, neue zu kreieren.

Mach dir nicht so viel aus dreckigen Klamotten oder dem Chaos im Wohnzimmer. Ich weiß, du möchtest nicht noch zusätzliche Arbeit, indem du das alles wieder aufräumen musst, aber sieh es so: dein Kind hatte vermutlich Spaß, hat etwas gelernt und ist nun bestimmt viel entspannter. Macht gemeinsam aus dem Aufräumen ein Spiel.

Spiel ab und zu mit deinen Kindern und nach ihren Regeln. Überrasch sie damit, dass du fragst, ob du mitspielen kannst. Auch Erwachsene profitieren vom Spiel!

Kreativität und Fantasie werden angeregt und das Gedächtnis und Erinnerungsvermögen gefördert. Durch Spaß und die soziale Komponente beim Spielen mit Familie und Freunden wird Stress abgebaut.

Spielen ist vielseitig und vielschichtig und bietet vielfältige Lernmöglichkeiten. Freies Spiel lässt Kinder in ihrem Tempo entwickeln, führt irgendwann zu Erfolg (nach einigen Misserfolgen) und baut so das Selbstwertgefühl der Kinder ganz natürlich auf.

Welches Spiel wirst du als nächstes mit deinem Kind spielen?

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