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Wann sind Eselsbrücken stabil ?

Frau denkt an einen Esel, der über Brücke geht

18.08.2021

Lukas sitzt in der Klasse. Keiner redet, denn es wird gerade eine Klausur in Geschichte geschrieben. Lukas hat sich gut vorbereitet und hat schon viele Fragen beantwortet, doch nun kommt er nicht weiter. Es ist wie verhext. Die Zahl, wann Rom gegründet wurde, will ihm einfach nicht einfallen.

Du, lieber Leser oder Leserin, wirst vielleicht sofort die Zahl parat haben. Immerhin hast du sie dir lange genug eingetrichtert, denn auch du musstest sie lernen! Klar wirst du sagen, ist doch ganz einfach: 753 Rom schlüpft aus dem Ei. Das ist die Eselsbrücke mit der du dir dieses geschichtliche Ereignis gemerkt hast.

kaputte Eierschale - Spruch Rom schlüpft aus dem Ei

Lukas Mutter hat ihm diesen Spruch auch genannt, doch jetzt ist sich Lukas nicht mehr so sicher, denn im Grunde kann da jede Zahl stehen und die letzte Zahl, die sich auf Ei reimen muss, könnte ebenso gut die zwei sein! Was ist denn nun richtig?

Eselsbrücken schubsen das Wissen aus dem Gedächtnis

Unser Gehirn braucht manchmal einen keinen Schubser, um auf das richtige Ergebnis zu kommen. Diese Brücken helfen uns, jenes wieder aus dem Gedächtnis herauszuholen, was sowieso schon drin ist. Das heißt, man kann nichts herausholen, was man nicht in irgendeiner Form schon mal gelernt hat, sprich womit man sich schon mal beschäftigt hat. Es hat also nichts mit Auswendiglernen zu tun, auch wenn viele das denken oder gar behaupten.

Eselsbrücken sind im Grunde nichts anderes als Merkhilfen. Die Liste solcher Eselsbrücken ist lang und besteht zum großen Teil aus Reimen, Merksätzen mit ungewöhnlichem Sachverhalt oder Akronymen.

Zum Teil sind diese Merk – und Erinnerungshilfen schon sehr alt und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Das Überleben bestätigt ihren Erfolg, der auf den visuellen oder akustischen Assoziationen und Visualisierungen beruht.

Auch Eselsbrücken können wackeln

kaputte Brücke über ein Bergtal

Akronyme als Eselsbrücken

Akronyme, also das Nutzen der Anfangsbuchstaben als Hinweis, sind ideal, um auch gleichzeitig eine Reihenfolge zu erinnern. Zum Beispiel bei SKOFGA, dem Akronym zum Merken der Systematik der Lebewesen (Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art). Hier werden die einzelnen Anfangsbuchstaben zu einem Wort zusammengefasst. Man kommt allerdings nicht umhin, die einzelnen Gruppen zu lernen. Das Akronym hilft nur für die richtige Reihenfolge.

Die KlaPS-Regel in der Mathematik ist ein anderes Beispiel, bei der aber das Akronym für leichteres sprechen und merken abgewandelt wurde. Die Reihenfolge der Buchstaben in der KlaPS-Regel zeigt an, in welcher Reihenfolge die Rechenzeichen priorisiert werden.

Auch hier muss man erst lernen, dass das “Kla” für Klammer, “P” für Punkt und “S” für Strich steht. Und dann noch besonders, dass die Buchstaben “l” und “a” zum Wort “Klammer” gehören und keine einzelne Bedeutung haben.

Reime als Eselsbrücken

Auch Reime sind beliebte Eselsbrücken und doch nicht immer eindeutig: Der Lauge gieße Säure zu, Salz und Wasser gibt’s im Nu. Wenn wir die Bestandteile umdrehen würden, funktionierte der Reim immer noch! Natürlich gibt es auch solche, die prima funktionieren und eindeutig sind: Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!

Neben Reimen und Akronymen gibt es viele andere Brücken, über die Esel und Lernende gehen können, wenn sie sich eben damit beschäftigt haben.
Da gibt es Buchstabenhinweise innerhalb der einzelne Worte wie zum Beispiel bei Osteoblasten bauen, Osteoklasten klauen oder lustige Merksätze wie “Eine alte Dame ging Heringe essen” (Reihenfolge der Gitarrensaiten).

Problematisch sind solche Sätze dann, wenn das Ende noch offen ist, zum Beispiel bei der Reihenfolge der Bundeskanzler: Alle ehemaligen Kanzler bringen samstags keine Semmeln mit (Adenauer, Erhard, Kiesinger, Bandt, Schmidt, Kohl, Schröder, Merkel).
Allerdings steht die Bundestagswahl vor der Tür und es wird einen neuen Bundeskanzler oder -kanzlerin geben. Und dann?

Zur Sicherheit: Bau dir deine Eselsbrücke selbst

Du sollstest dir dieser Schwächen mancher Eselsbrücken bewusst sein. In Prüfungssituationen, wie Lukas sie erlebt hat, kann man schnell unsicher werden und verwechselt dann die Zahlen oder Reihenfolgen.

Deshalb klappt Merken und Erinnern dann am besten, wenn man sich selbst eine Brücke baut. Dafür brauchst du aber auch nicht unter die Dichter gehen, um tolle Merksätze und Reime zu (er)finden. Deine Vorstellungskraft und Assoziationen sind deine Werkzeuge für leichtes und erfolgreiches Merken und Erinnern, ganz auf dich zugeschnitten.

Hier meine Tipps, wie dir das gelingt:

  • Übernimm nicht einfach Eselsbrücken oder lern sie nicht einfach auswendig! Überlege, wie sie zustande gekommen sind und ob sie für dich Sinn ergeben.
    Passe sie für dich an!
  • Übe das Reimen, damit du schneller akustische Brücken bauen kannst!
  • Finde “Verbindungen” zu bereits bestehendem Wissen und verknüpfe beide Fakten (Assoziation)! Das kann auch eine akustische Verbindung sein.
  • Übe das Visualisieren auf eine Weise, dass Lerninhalte “merk-würdig” werden und in deinem Gedächtnis “kleben” bleiben. Dafür findest du hier eine Anleitung.
  • lerne Mnemotechniken, die dir das Merken von Reihenfolgen, Vokabeln und Fremdwörtern und Zahlen ermöglichen.

Lernen wird mit Gedächtnistrategien kinderleicht

Während Brücken als Bauwerke Verkehrswege über Hindernisse hinweg verbinden, verknüpfen Eselsbrücken Faktenwissen miteinander und machen sie jeder Zeit abrufbar.
Solche Gedächtnisstrategien sind legale Spickzettel, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Gedächtnisschub geben, um ihre Lerneffizienz zu verbessern.

Wenngleich es einen gewissen Aufwand bedarf, diese Strategien und Methoden zu lernen und mit Leichtigkeit anzuwenden, so ist der Vorteil um einiges höher: Spaß beim Lernen, Wissen im passenden Moment, Selbstvertrauen, Kreativität und nicht zuletzt Motivation zum lebenslangen Lernen.

Lukas ist bewusst geworden, dass es einen Unterschied gibt, wie man sich Fakten merken kann und dass es nicht für jeden auf die gleiche Art logisch ist. Vermutlich wird er “753 – Rom schlüpft aus dem Ei” nicht mehr so schnell vergessen.

Jedoch kann er seinen Kindern einmal erzählen, wie unsicher ihn dieses Eselsbrücke gemacht hat, denn gerade emotional behaftete Fakten sind “merk-würdig”.
Oder er hilft ihnen eine andere Eselsbrücke für dieses Ereignis zu kreieren, zum Beispiel: Die Sieben Zwergen radeln Händchenhaltend auf einem Dreirad ins Koloseum oder Cäsar sitzt auf dem Klo und bekommt von Oma den A…. abgewischt.


Mit Fantasie und Assoziationen kannst du dir unendlich viele stabile Brücken bauen.

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Ich sitze gerade im Zug und versuche einen Blogartikel zu schreiben. Gar nicht so einfach, wenn so...

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